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Ein neuer Tag und dennoch Vergangenheit

Januar 5, 2020
Ein neuer Tag und dennoch Vergangenheit

Innerlich völlig verdreht, bin ich heute Morgen aufgestanden. Ich hatte doch sehr zu kämpfen meine innere Mitte zu finden.
In Ausnahmezuständen fällt es mir auch immer noch schwer mich wieder in die Bahn zu lenken.

Wie sollte es bei mir auch anders sein: Musik an, Welt aus und wenn der Kopf laut ist, geht die Musik immer noch deutlich lauter zu drehen.

Gott sei Dank!

Aufgeben ist aber keine Option, richtig? Zumindest rede ich mich das gern ein, in der Hoffnung, es wird dann einfach etwas stiller im Kopf.

Aber wie lebt es sich denn, wenn der Kopf sein eigenes Ding macht, werde ich manchmal gefragt.
Allerdings habe ich darauf keine wirklich richtige Antwort, die einen Außenstehenden das Gefühl geben, zu verstehen oder nachempfinden zu können.

Ich bin ein sehr einfühlsamer Mensch, mit einer sehr großen Empathiefähigkeit. Ich nehme mir Dinge an, die mich entweder nicht betreffen oder einfach auch zu sehr an, je nach Situation.

Ein Beispiel: Derzeit brennt es in Australien an der Ostküste und auch mittlerweile an der Südküste. Ich sehe die Bilder der Menschen, der Tiere, der Bäume und Pflanzen und es zerreißt mich innerlich schier vor Schmerz.
Was müssen die Lebewesen auf diesem Kontinent aushalten? Wieviele verbrennen elendig und sterben?! Und ich sitze hier und kann Nichts, aber auch gar nichts tun um zu helfen. Ich sehe nur den Schmerz auf Bildern und Video-Sequenzen.
Wieviele haben ihr Zuhause verloren und werden es noch. Wieviele werden dankbar sein, dass sie noch am Leben sind.

Der eine sitzt vorm TV, sieht Nachrichten, fühlt sich informiert und schaltet um. Ich hingegen sitze vor den Nachrichten, die ich übers Smartphone bekomme und vergieße Tränen. Mich packt die Angst. In Australien brennt es immer wieder, aber derzeit ist es mehr als nur eine Katastrophe und ich habe Angst, das der Kontinent vollständig verbrennt.
Ich habe Angst, dass alle, die dort Leben, umkommen und ich nichts tun kann.

Für viele sind diese Gedankengänge abstrus, wirr, zu viel, unverständlich oder einfach nicht nachvollziehbar. Und ich verstehe sehr gut, dass jemand sie nicht nachvollziehen kann.
Hin und wieder wird mir in Gesprächen erklärt, ich solle kein TV schauen. Das tue ich schon lange nicht mehr. Zumindest was die Nachrichten betrifft. Ich nutze Streamingdienste oder mein Smartphone zum Informieren. Im allgemeinen Fernsehen wird mich zu viel Meinungsmache bereitgestellt, statt wirklich über Situationen oder Ereignisse zu berichten.

Ein anderes Beispiel: Ich bin die 3. Nachkriegsgeneration. Mütter- als auch väterlicherseits sind die Familien aus ihrem Zuhause vertrieben und zerrissen worden. Man versuchte neue Unterkünfte zu finden und erneut sesshaft zu werden. Das zog viele viele Jahre hin. Letztlich kamen beide Familienteile nach Sachsen, wie viele. Ursprünglich stammen sie aus Pommern und Schlesien. Beides gibt es nicht mehr. Heute gibt es auch die DDR nicht mehr, in die ich noch hinein geboren wurde und in der Theorie nicht mehr viel mitbekam. Zumindest wird das gern gesagt, aber die Mauer war nicht einfach von Heute auf Morgen weg. Weder physisch noch in den Köpfen. Wieder mussten alle sich neu ordnen, weil es nun die „Einheit“ gab. Wieder verschwand das eigentliche Zuhause und das obwohl noch am selben Standort war.

Ich setze mich seit meiner Kindheit mit dem 2.Weltkrieg auseinander um Dinge zu verstehen, die mir keiner zur Schulzeit hätte vermitteln können und es wurde auch sehr selten bis gar nicht darüber in der Familie gesprochen. Fragen sind geblieben bis heute. Ich habe meine Uroma 2 Mal zusammenbrechen sehen, als ich Fragen zu Vergangenheit stellte. Wie schlimm muss das gewesen sein?
Meine Familiengeschichte ist also schwierig und besteht hauptsächlich aus Unbeständigkeit und Unsicherheit. Das sich ebenso auf mich ausgewirkt. Ich zog viel durch Deutschland. Immer in der Hoffnung irgendwann zuhause zu sein, aber kam nie an.

Zwischen einer schwer Mobbing-geprägten Kindheit über eine komplizierte Zeit als Jugendliche bis ins Erwachsen werden/sein müssen hinein, ging ich irgendwo verloren. Ich suche mich noch und diese Unvollständigkeit beschäftigt mich ständig.

Vielleicht ist es auch das, was mich in manchen Punkten zur Empathie zwingt. Menschen verlieren ihr Zuhause, ihr Leben, Kinder, Partner, Eltern, Freunde… .

Immer wieder neu anfangen zu müssen hinterlässt Spuren. Ich habe aufgehört zu jemandem Verbindungen aufzubauen. Ich weiß nie wie lange ich da bin. Die einzigen Verbindungen die für mich existieren besteht zu meinen Eltern und meinen Kindern. Natürlich auch zu meinem Ehemann, aber es ist eine andere Art von Verbindung. Freunde haben einen besonderen Standpunkt, aber immer auch eine gewisse Distanz. Ich habe gelernt durch bestimmte Ereignisse Distanz zu bewahren damit der emotionale Verlust nicht zu groß ist.

Das Leben läuft nicht bei jedem so optimal, wie es sich vielleicht ausmalt und bei anderen scheint alles in perfekten Bahnen zu verlaufen.

Ich habe allerdings aufgehört mich mit anderen zu vergleichen. Jeder von uns ist anders. jeder andere Stärken und Schwächen. Die einen kennen sie und andere müssen sie noch erkennen.

 

Bevor ich hier schließe, möchte ich mich fürs Lesen bedanken. Vielen Dank also für das Lesen meines Beitrags in meinem neuen Blog.

Für meine Mädchen:

Ich sende 1000 Küsse meinen beiden Töchtern. Mein Herz trägt eure Namen – immer und überall. Seid euch immer gewiss, dass ich euch über alle Maße liebe!

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2 Comments

  • Reply Ley Januar 5, 2020 at 10:05 pm

    Danke, dass du dein Leben und deine Erfahrungen teilst, so vieles davon kann ich nachvollziehen und mitfühlen…
    Besonders Nachrichten – mir geht es wie dir.

    • Reply Nancy Klose-Nobis Januar 6, 2020 at 9:01 am

      Vielen Dank, liebe Juliane, für deinen Kommentar!<3

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